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Black Ink Verlag


25 Jahre und immer noch klein


Eine Art Manifest zum ersten Vierteljahrhundert unseres Verlags und zum Zustand der Literaturlandschaft hierzulande im Allgemeinen


Im November 1993 haben wir den Black Ink Verlag gegründet. (Offizieller Name, da wir nicht die Knete für eine GmbH hatten und haben: Vogel & Fitzpatrick Verlag GbR Black Ink).

Die letzten Jahre haben wir ein bisschen weniger gemacht, als die Jahre davor.

Immerhin: 100 Jahre Dada und München.

Und vorher? Wir haben einen der wichtigsten Gegenwartsautoren Neuseelands das erste Mal auf Deutsch verlegt.

Wir haben Literaturreihen kuratiert, in denen – zum Teil mittlerweile sehr berühmte und diskutierte – Autoren wirklich mal machen konnten, was sie wollten und nicht immer nur, was gerade verkauft werden soll.

Wir haben uns dem üblichen Betriebsprozedere entzogen. Keine halbjährlichen Vorschauen gedruckt, sind nicht auf Messeständen herumgestanden. Na ja, auf kleinen Messen schon manchmal, aber das war bisweilen sogar kurzweilig, meistens aber auch Beine in den Bauch ... Und wir haben dafür aber auch unsere Backlist gepflegt, wir verramschen nichts, unsere Bücher haben kein kurzes Haltbarkeitsdatum.

Wir lieben gute Buchhandlungen, die nicht nur Stapelware haben. Leider sind sie rar geworden. Der Buchhandel und Vertrieb macht es kleinen Verlagen nicht leicht. So zeigen Buchhandlungen oft kein Interesse oder nehmen gnadenvoll Bücher lediglich in Kommission, die sie dann, wenn man mühsam nach einiger Zeit wieder kommt – wir haben ja nichts anderes zu tun –, nicht mehr finden und aber auch nicht bezahlen wollen ... Oder sagen Lesern, die unsere Bücher bestellen wollen, dass die Bücher nicht lieferbar seien, nur weil es sie nicht bei ihrem Grossisten gibt und sich der direkte Bestellvorgang bei uns dann für die Arbeit, die ein einziges, günstiges Buch vielleicht macht, nicht lohnt. Das sind für uns aber dann auch keine Buchhandlungen, denen wir nachweinen, wenn das große finstere Internet sie schluckt ...

Wir wollen schmökern! Wir wollen Entdeckungen machen! Wir wollen Bücher in die Hand nehmen und selber schauen! Das geht nur in Buchhandlungen, die wissen, was das heißt! Das geht aber auch nur, wenn es noch Leser und Käufer gibt, die das schätzen!

Wir mögen bibliophile Bücher, solange sie nicht zu chichi sind! Aber wir machen eher keine bibliophilen Bücher – einfach, weil wir nicht die Kohle dazu haben. Wir machen Bücher, bei denen wir viel selber machen! Von Anfang an! Unser erstes Buch war selbst hergestellt und mit einer Art Teppichklammern gebunden! Seit vielen Jahren sind Black Ink Bücher Veröffentlichungen zum Mitnehmen, zum Einstecken, zum Dabeihaben. Lesen! Weitersagen – wenn's gefällt! Gefällig sind sie eher nicht!

Als wir 1993 anfingen – wir waren beide junge Studenten –, hat in München, beispielsweise in der U-Bahn, eigentlich jeder ein Buch oder eine Zeitung in der Hand gehabt (na ja, sagen wir jede Zweite, jeder Zweite, wir wollen nicht übertreiben). Jetzt ist das Buch dort schon der Exot. Jetzt hat jede und jeder (na ja, sagen wir acht von zehn, wir wollen nicht übertreiben) ein Smartphone in der Hand. Da wird ja auch gelesen, könnte man sagen. Na ja, schon, aber eigentlich auch nicht – da wird der Ego-Zustand gecheckt ... social media ... "narcistic media" wäre vielleicht ein treffenderer Ausdruck.

Wir sind eher ein Kunstprojekt als ein Verlag? Als wir anfingen, war es noch ganz schlimm, sich selbst zu drucken, Nase rümpf! Obwohl wir gleich auch andere gedruckt haben, die wir gut fanden. Mittlerweile ist das nicht mehr so verpönt. Mittlerweile können die alteingesessenen Verlage nicht mehr ganz so als die Hüter des Heiligen Grals tituliert werden, auch, weil sie es einfach verkackt haben, weil sie selbst nicht mehr so genau wissen, was sie tun und zu oft eingebildeten Trends hinterhergerannt sind, teuer eingekauft haben etc., und es immer noch tun. Damit hier kein Missverständnis entsteht: Wir denken nicht, dass wir irgendein Monopol haben, siehe oben: wir sind immer noch klein. Aber: wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen lieber auch klein bleiben. Dieses immer größer, wir finden es unsympathisch, irreführend, großkotzig, weltvernichtend. Wir wollen nicht alles schlucken! Na ja, vielleicht Random House, wenn es uns mal für einen Euro angeboten werden sollte, so wie ab und an große Industrieunternehmen in einem schwindenden Markt.

Kulturpessimismus? Sei's drum! Vielleicht. Aber wir wollen hier nichts schönreden. Wir wollen aber auch nicht rumjammern! Keiner hat uns gezwungen, das zu tun, was wir tun. Aber wir haben einen Verlag gegründet. Wir wollten ja unbedingt. Und wir haben damals schon gewusst, dass wir finanziell damit wohl keinen Staat machen. Aber wir wollten frei sein! Wirklich machen, was wir wollen – also in unseren Veröffentlichungen. Nicht nach kommerziellem Erfolg schielen müssen und uns anbiedern. Wollten, dass sich die Sache irgendwie selbst trägt – und geben unsere Arbeit hinein, so lala for free bislang – Gewinne? Natürlich haben wir eine Gewinnerzielungsabsicht! Wäre zu fragen, wie die beschaffen ist. Gibt ja nicht nur pekuniären Gewinn ... Und haben unseren Autoren aber auch immer gesagt, dass sie nicht reich werden mit ihrer Veröffentlichung bei uns – also voraussichtlich – und sie aber natürlich beteiligt am Verkaufserlös, also mit ganz normalen Autorenverträgen, ganz klar! Wir bereichern uns nicht! Aber wir wollen, dass alle reicher werden! Es liegt an Euch Lesern! Ihr könnt sie noch reich machen – ein bisschen! Und wir freuen uns dann auch über all die Villen, die wir uns kaufen werden auf Hügeln mit Aussicht aufs Meer ... Und Ihr lasst es Euch gut gehen mit einem Buch auf dem Schoß und der Zeit, die Euch gehört.

Wir sind noch da, im Gegensatz zu vielen Kollegen, die Größeres versuchten und nicht durchdringen konnten. Die ihre Verlage wieder dicht gemacht haben oder haben schlucken lassen. Wir waren immer Underground. Eigentlich nicht mal das! Freunde und Kollegen sagten uns, wir wären zu sehr unter dem Radar ... Aber muss man immer großsprechen, auf die Pauke hauen ... wir haben Marketing eigentlich von Anfang an nicht besonders gemocht. Und wir haben auch keine Sales-Abteilung. Unser "Problem" war immer, dass uns die Kunst, die Ideen interessiert haben, und nicht so sehr der Vertrieb. Aber den braucht ein Verlag natürlich. Vertrieb ... allein das Wort! Besser Verteiler!

Und immerhin haben wir wohl einige ermutigt, Ähnliches zu wagen, auch in Österreich. Dort können Verleger, die kontinuierlich arbeiten, dann auch eine Förderung bekommen, mit der sie wirklich wirtschaften und etwas bewegen können. In Deutschland gibt es in dem Sinne kaum kontinuierliche Förderung für Literatur-Verlage. Preise, ja gut. Soll jetzt auch bald einige neue geben. Aber wie planbar ist das? Wer soll damit kalkulieren? In Deutschland gibt es ja auch schon eine relativ sinnfreie Preisverleihungsstruktur, für die oft immergleichen Autoren, die dadurch in einem Abhängigkeitskarussell herumgereicht zu werden in Gefahr geraten, falls sie nicht ohnehin betucht sind, was der Preisvergabe von den den Ton angebenden Juroren, die oft in mehreren Jurys sitzen, wie Manager in Aufsichtsräten, aber nicht im Wege steht – oder: Preisverleiher zeichnen sich mit Preisträgern aus. Der "Kultur" bringt das herzlich wenig. Aber es gibt danach ein Essen oder Buffet für die Honoratioren, vermutlich kostet das oft nicht viel weniger, als die verliehene Preissumme ...

Was uns freut, was wir brauchen

Wenn Ihr unsere Bücher kauft. Wir sind ein Verlag. Wir leben davon, Bücher zu machen. Also, der Verlag (die Verleger leben längst nicht davon, die leben damit!).

Wenn Buchhandlungen unsere Bücher ordern – und nicht nur, wenn jemand sie dort bestellt, sondern vielleicht auch einfach, um wirklich etwas Besonderes im Laden zu haben!

Wenn wir erfahren, dass Leser unsere Bücher schätzen; wenn wir mitbekommen, dass sie schon aufs nächste warten und auch davon erzählen.

Wenn wir oder unsere Autoren wieder mal einen Literaturpreis oder ein Stipendium verliehen bekommen. Ob wir nach dem oben Gesagten aber überhaupt noch Chancen darauf haben? Ach kommt!

Was wir als nicht sonderlich hilfreich erachten

Deutsche Buchpreise auf Buchmessen, denn wir finden, dass sie die Konzentration auf immer weniger Titel noch wesentlich anheizen.

Spiegel-Bestsellerlisten, zumindest, wenn die Buchhandlungen dann diese Bücher am prominentesten platzieren und die Bücher gleich noch mit Branding-Aufkleber versehen sind.

Wenn auf Seiten von Internetriesen – ja: amazon – angegeben wird, "nicht verfügbar", was heißt, dass es dort derzeit nicht erhältlich ist, aber nur zu leicht den Eindruck erwecken kann, als sei das Buch auch beim Verlag nicht mehr lieferbar – wie oft sagten uns Leser schon deswegen, "ja, Eure Bücher gibt es ja gar nicht mehr?" ...

Dass Bücher teilweise behandelt werden, wie geschnitten Brot – das heißt, nach kurzem sind sie für den Markt schon wieder zu alt. Warum eigentlich?

 

Neu zum 25-jährigen Jubiläum
 

QUALLY
Die fehlenden Strips

40 Seiten, EUR 10, erschienen im Oktober 2018
ISBN 978-3-930654-94-9

Hurra! Die liebenswerte Qualle schwimmt wieder gedruckt!
Das Comic-Tier Qually, eines der minimalistischsten überhaupt, ist sogar noch älter als Black Ink! Geboren so um 1985, Genaueres ist nicht bekannt, aber sie schwimmt! Und diese Ausgabe ist eine ganz Besondere! Sie füllt eine Lücke, offenbart die Umstellung von Tinte zu Bleistift, von akkurat zu flüchtig skizzenhaft, und ist überdies in der limitierten Erstauflage von 111 Exemplaren nummeriert und mit einer Originalzeichnung versehen.
www.blackink.de/literatur/comics/qually-die-fehlenden-strips/
 

Te Deum
Notenheft, Black Ink Musik 15
16 Seiten, EUR 10, Umschlag: Linoldruck, erschienen im Oktober 2018

Te Deum – 12 Gospels. Eigenkompositionen zu Traditionals und neue Songs:
Te Deum ist ein feierlicher Dankgesang aus der christlichen Kirche. In der Musik wurde es über die Jahrhunderte von vielen Komponisten aufgegriffen; die Bekanntesten sind wohl die Kantaten von Johann Sebastian Bach - aber auch Wolfgang Amadeus Mozart, Hector Berlioz oder zeitgenössische Komponisten wie Arvo Pärt, widmeten sich diesem Thema. Ganz in dieser Tradition komponierte Kilian Fitzpatrick zwölf Gospels: Lieder, die man im kirchlichem Zusammenhang, aber auch zu vielen andere Gelegenheiten im Leben singen kann. Nach mehreren Jahren Bearbeitungszeit ist es bei Black Ink erschienen.
www.blackink.de/musik/noten/bim15/

 

Sehr ans Herz gelegt sei auch
 

Gä weida Dada
Ja genau! weida Dada! Enough said! Ta Ta!
ISBN 978-3-930654-40-6
www.blackink.de/literatur/buecher/bib30/

Maurice Gee
Lebende Fracht

Aus dem Englischen von Anita Goetthans
Dieser wichtige Neuseeländische Roman ist im deutschsprachigen ebenso wie im neuseeländischen Raum angesiedelt, er spannt eine weite und offene Perspektive auf.
ISBN 978-3-930654-14-7
www.blackink.de/literatur/buecher/bib14/

WeltII
Vielleicht der letzte Science Fiction, der 1999 und der erste der 2000 erschien, Gegenwart!
Erstauflage in 1000 Exemplaren. Und immer noch welche da!
ISBN 978-3-930654-07-9
www.blackink.de/literatur/buecher/bib10/

 

Kilian Fitzpatrick und Nikolai Vogel
 1993 ...

 

Wem wir jetzt auf den Schlips getreten sind?

25 Jahre und ein bisschen leise!

 

Black Ink
Nikolai Vogel & Kilian Fitzpatrick
(im November 2018)

 

Drucklayout © 2018 by Vogel & Fitzpatrick GbR Black Ink
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